Die Besucher Prags, voller Eindrücke von den Sehenswürdigkeiten der historischen Stadtmitte, vergessen darüber oft die Vororte. Leider ist es eine Tatsache, dass, je weiter man sich von der Stadtmitte entfernt, um so problematischer wird die Verständigung. Trotzdem ist es aller Mühen wert, denn ersten kann man so dem Touristenrummel um Burg und Altstadt entfliehen, zweitens wird man Prag als lebendige Stadt erleben und als malerische Zeitkapsel.
Die meisten Museen und andere Sehenswürdigkeiten kann man bequem auch von hier aus erreichen, mit U-Bahn, Straßenbahn oder zu Fuß. Wenn Sie bereit sind, sich noch weiter nach Westen zu begeben, versäumen Sie nicht, das reizende Jagdschlösschen Hvezda (Stern) und das frühere Kloster Brevnov zu besichtigen.
Das Renessaince-Sommerschlösschen Hvezda
Anfahrt: Straßenbahnen Nr. 8, 22 bis Haltestelle Vypich; Nr. 1,18 bis Petriny, mit Bus Nr. 179 von U-Bahnstation der Linie „B“ Nove Butovice oder Bus Nr. 191 von U-Bahnstation Andel der Linie B.
Kaiser Ferdinand I. errichtete 1530 am westlichen Stadtrand einen neuen königlichen Wildpark. Sein jüngerer Sohn, Erzherzog Ferdinand von Tirol, entwarf persönlich das Jadgschloss im Stil des Manierismus. Das dreistöckige Gebäude mit dem Grundriss eines sechszackigen Sterns wurde 1555 – 56 errichtet. Die Deckenwölbungen im Erdgeschoss sind reich mit Stuck verziert und werden als eines der schönsten Beispiele italienischer Renaissance-Stuckarbeit in Mitteleuropa betrachtet. Im ersten Stock wurden die ursprünglichen offenen Kamine erhalten, im zweiten Stock der große Bankett-Saal mit seinem Boden aus glasierten Renaissance-Fliesen. Zu dem Komplex gehört noch das Haus des Verwalters und das des Wildhüters (myslivna). Für Publikum ist der Wildpark seit 1797 zugänglich.
Kloster Brevnov
Anfahrt: mit Tram Nr. 8, 22 bis klaster Brevnov.
Fürst Boleslav II. und Bischof Vojtech (Adalbert) gründeten im Jahre 993 dieses erste böhmische Kloster, das an der Straße nach Bayern liegt, nahe der Quelle des Flusses Brusnice, nicht allzu weit von der Prager Burg. Seit seinen Anfängen genoss es einen privilegierten Status und seine Mönche - die Benediktiner von Brevnov missionierten in Polen und Ungarn. Der weitläufige Komplex wurde in einem Tal erbaut, mit symmetrischem Grundriss, der von quadratischen Höfen umgeben war. Er umfasste die Kirche St. Margarethe, den Konvent und die Prälatur, Nebengebäude, ein Einfahrtsportal und einen Garten mit dem Vojteska Sommerhaus. Die heutige barocke Form von Kirche und Kloster datiert seit dem frühen 18. Jahrhundert, als es nach Entwürfen von Christoph und Ignaz Kilian Dientzenhofer umgebaut wurde. Die ursprünglich romanische Klosterkirche stammte aus dem Jahr 1030 – 1040 und die Krypta in der Empore der heutigen Kirche stammt aus dieser Zeit. Das hochdynamisch und illusionistisch dekorierte Innere ist typisch für den Hochbarock. Die Altarbilder sind ein Werk von Peter Brandl, die Skulpturen und Holzschnitzereien , Deckenfreskos und anderer Innenschmuck sind einmalige Beispiele von Kunst und Handwerk dieser Zeit.
Als das Kloster 1990 dem Orden zurückgegeben wurde, wurde es – im tausendsten Jahr seiner Gründung - renoviert.